Der dritte Knall

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Alle 500 Jahre knallt es kräftig im Christentum. Auch heute liegt Spannung in der Luft. [Foto: 123rf.com]

Etwa alle 500 Jahre kommt es in der größten Weltreligion, dem Christentum, zu einem handfesten Streit. Mehrere Religionsleiter geraten aneinander und verkrachen sich so dermaßen, dass sie fortan getrennte Wege gehen. Die Folgen waren bisher jedes Mal: Ein neuer Megablock mit vielen Millionen Mitgliedern entstand, der sich deutlich von der bis dato bekannten Christenheit unterschied. Ein tiefer Riss trennte fortan die Christen. So geschehen vor etwa 1.000 Jahren („morgenländisches Schisma“ etwa 1054 n. Chr.), als die orthodoxe Kirche sich von den Katholiken abspaltete. Und auch vor 500 Jahren (Reformation etwa 1517 n. Chr.), als sich die Protestanten (also die Evangelischen) von den Katholiken abspalteten.

Rein rechnerisch wäre es also mal wieder an der Zeit für einen kräftigen Knall. Und tatsächlich zeichnet sich da einiges ab. Spannung zwischen dem traditionellen Christentum und den bibelfesten Jesus-Fans gibt es genug. Bei den Anglikanern, den amerikanischen Baptisten und der US-Episkopalkirche führten diese Spannungen fast zur Spaltung. Und auch die deutschen Protestanten kennen diese Spannungen. Als der EKD-Chef Bedford-Strohm sich jüngst in einem Islam-Zentrum engagierte verloren einige evangelikale Mitglieder seiner Kirche beinahe die Contenance. Er wurde von ihnen mit Worten belegt, die hier gar nicht wiedergegeben werden können. Auch die Solidaritätsadresse des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, konnte die Gemüter nicht beruhigen, im Gegenteil, das brachte manche anscheinend erst so richtig in Wallung. Spannung gibt es an vielen Stellen.

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Spannung liegt in der Luft. [Foto: 123rf.com]

NUR – bisher blieb die finale Spaltung aus. Die Christen verweigern (bisher) den erlösenden Knall.

Das wirft die Frage auf: Ist die Spaltung der einzig mögliche Ausweg? Es könnte tatsächlich sein, dass es diesmal anders ist.

Positive Signale

– Die Christenheit in Ägypten ist momentan ein leuchtendes Vorbild weil sie, mehr als wir alle, unter wachsendem muslimischen Druck leben. Sie zeigen, wie man in großer Einheit, inmitten von heftigem religiösen Druck seinen Glauben leben kann. Sie organisieren gemeinsam gewaltige Treffen mit tausenden Besuchern, bei denen einfach nur Gott angebetet wird und der Name Jesus verherrlicht wird. Aus dem ganzen Land und aus koptischen, katholischen, evangelikalen und charismatischen Kirchen kommen die Besucher. Wenn ihre Kirchen niedergebrannt werden dann feiern sie ihre Gottesdienste in deren Trümmern weiter und sind uns Westlern ein großes Vorbild im Vergeben. Der Druck der Muslime sorgt in Ägypten, wie an vielen anderen Orten der Welt, dafür, dass die Christen näher zusammenrücken!

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Papst Franziskus vertritt etwa die Hälfte aller Christen und sorgt momentan für ein Klima des Vertrauens und der Einheit. [Foto: 123rf.com]

– Papst Franziskus repräsentiert etwa die Hälfte aller Christen weltweit. Umso wichtiger sind die versöhnlichen Signale, die er sendet. Immer wieder trifft er sich mit evangelikalen und charismatischen Leitern zu Gebet und Austausch. Manchmal predigt er in ihren Kirchen und bittet sie um Vergebung für das Leid, das die katholische Kirche ihnen zugefügt hat. Die Botschaft dahinter ist unglaublich wohltuend und verbindend. Wer so miteinander umgeht, der kann sich nicht spalten.

– Auch in Deutschland gibt es Signale, die auf Einheit und auf Versöhnung stehen. Immer deutlicher wird auch uns Protestanten, dass nicht eine bestimmte Richtung die Wahrheit gepachtet hat sondern, dass wir alle gemeinsam eine Art Körperschaft, die Bibel spricht von einem „Leib“, sind. Es ist gut, dass die Evangelikalen und die Evangelische Kirche sich annähern. Es ist gut, dass der Vorsitzende der evangelischen Allianz sich gegen die die überzogene Kritik aus den Reihen konservativer Christen gewandt hat! Wir müssen lernen, dass wir andere Christen ertragen, auch wenn sie Dinge anders sehen und sich anders verhalten. Ein gutes Signal, das in Richtung von Versöhnung und Einheit weist.

Wir werden die Einheit wahrscheinlich in den kommenden Jahren  brauchen.

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Es bleiben Fragen offen, und das ist OK so. Wir werden nicht alle Unterschiede wegverhandeln können. Es ist wichtig, andere Christen so zu akzeptieren wie sie sind. [Foto: 123rf.com]

Ist deshalb alles gut, was die evangelische Kirche oder deren Vertreter tun? Nein, da gibt es sicher auch fragwürdige Entwicklungen dabei, genau wie bei anderen Kirchen und, wenn wir ehrlich sind, auch bei uns selbst.

Sicher gibt es Spannungen und es muss auch Raum für Kritik sein, aber müssen wir uns dabei gegenseitig verwünschen? Können wir die jeweils anderen Christen nicht mal einfach stehen lassen und sie so akzeptieren wie sie sind? Klar haben sie Macken, aber das haben wir vielleicht auch? Klar sind die Charismatiker etwas durch-geknallt und Katholiken etwas steif und Evangelische etwas sehr säkular. Aber vielleicht gibt es ja dort auch etwas Glauben, vielleicht gibt es ja dort auch etwas Gutes, von dem man lernen kann?!

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Die Zeiten haben sich geändert. Wir können heute erneuerten und lebendigen Glauben leben, ohne zu spalten! [Foto: Christustag 2013 in Stuttgart, Segnung beim Abschlussgottesdienst in der Mercedes Benz-Arena]

FAZIT: Der zweite Knall, die Reformation hat vor fast 500 Jahren viel Erneuerung des Glaubens gebracht aber auch viel Trennung und Spaltung.

Die Zeiten haben sich geändert! Heute ist es möglich, einen erneuerten und lebendigen Glauben zu leben, ohne zu spalten und zu trennen. Sicher wird es auch in Zukunft berechtigte Kritik und manchmal auch Gemeindewechsel geben aber wir können heute viel entspannter mit andere Glaubensauffassungen umgehen!

Ich bin mir sicher, dass der dritte Knall nicht kommen muss und wahrscheinlich auch nicht kommen wird. Es gibt bei den „bibelfesten Jesus-Fans“ ja auch keinen einheitlichen charismatischen Leiter wie es früher Martin Luther war. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringen wird, aber ich persönlich glaube, dass der Druck von Außen und die Signale der andern Seite dafür sorgen werden, dass wir Christen in Deutschland immer mehr zusammenrücken.

Wir tun gut dran, verbal etwas abzurüsten und öfter mal Beschimpfungen runterzuschlucken. Das wird uns allen gut tun und das eigentliche Anliegen unseres gemeinsamen Herrn Jesus vorwärts bringen.

veröffentlicht im August 2015 durch Jens Wätjen

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