Wo ist Gott in harten Zeiten?!

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US-Soldat der Spezialkräfte [Foto: 123rf.com]

[Lesezeit ca. 4 Minuten]

Als am Abend des 14. Novembers 2001 drei Hubschrauber mit Special Forces der US Armee auf dem freien Feld in der Nähe von Ghasni, Afghanistan, landeten da mussten sie keine Türen eintreten und keine Blendgranaten werfen, wie sie es sonst oft tun. Acht Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Shelter Now“ waren ohne Gewalteinwirkung aus der Hand der Taliban befreit worden und in ihre Obhut übergelaufen. Schnell wurden sie nach Pakistan, außer Landes gebracht.

Für die Befreiten ging eine harte Zeit massivster Bedrohung zu Ende. Ihr Leben hatte mehr als drei Monate lang am seidenen Faden gehangen. Eine Zeitung schrieb damals, sie befänden sich „wohlbehalten und unversehrt“ in westlichen Botschaften. „Wohlbehalten und unversehrt“? Wirklich? Nach monatelanger schwerster Bedrohung für Leib und Leben? Hatten sie nicht schwerste Traumatisierung erlebt? Mussten sie nicht monatelang in psychologische Betreuung?

Es ging den Gefangenen erstaunlich gut

Nein, es ging ihnen körperlich und psychisch erstaunlich gut. Bereits wenige Wochen nach ihrer Befreiung war zu lesen, dass sie wieder nach Afghanistan zurückkehren wollten, was einige dann auch, ein Jahr später, taten. Jeder halbwegs informierte Bürger rieb sich zu diesem Zeitpunkt verwundert die Augen. Waren das nicht dieselben Leute die noch gerade eben dem sicheren Tod von der Schippe gesprungen waren? Über deren Befreiung in allen Magazinen zu lesen war? Und jetzt wieder zurück in das Land ihrer Demütigung und Todes-Angst? Der Gedanke erschien Vielen unerträglich. Woher nahmen sie diese Kraft?

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Margrit Stebner war eine der gefangenen Shelter-Now-Mitarbeiter [Foto: Margrit Stebner]

Eine der Betroffenen war Margrit Stebner. Sie war, gemeinsam mit ihren Kollegen, gleich mehrmals in Todesgefahr gewesen. Zunächst hatte ein Sharia-Gericht sie zum Tode verurteilt. Anschließend galten sie als menschliche Schutzschilde und ab dem 07. Oktober schließlich, waren sie dem Bombenhagel der US-Armee ausgesetzt. Diese wollte sie zwar sicher nicht treffen, wusste aber natürlich auch nicht, in welchen Gebäude sich die westlichen Geiseln aufhielten.

Das waren mindestens drei Gründe die für einen baldigen Tod sprachen. Todesurteil, Geiselhaft und Bombenhagel gleichzeitig – mehr Stress geht nicht! Eine schlimmere Bedrohung und psychische Belastung kann kaum ein Mensch durchmachen.

Wie übel die Situation war, daran erinnert sich Frau Stebner in einem Interview mit mir 14 Jahre später: „Natürlich gab es immer wieder Momente, in denen ich Angst hatte vor einer Hinrichtung. Schließlich hatte man viel gehört und es gab ja während der Taliban-Zeit immer wieder öffentliche Hinrichtungen im Olympiastadion oder Menschen wurden öffentlich an Kreuzungen an Laternenmasten aufgehängt. Das geht einem durch den Kopf.“

Die ganze Welt dachte damals an die Gefangenen, viele haben für sie gebetet und viele haben sie auch einfach aufgegeben. Kontakt war nicht möglich, Nachrichten gab es keine. „Wenn sie da heil rauskommen sind sie psychisch erledigt.“ dachte mancher Zeitgenosse.

Heute, 14 Jahre später, leidet Frau Stebner weder an Angstzuständen, Panikattacken, Albträumen oder dergleichen und in den ganzen 14 Jahren seitdem hat sie es auch nicht getan. Es geht ihr gut, sehr gut sogar. Sie lebt ein entspanntes und normales Leben, arbeitet in einen Hilfsprojekt in Israel. Sie sagt von sich, dass sie vielleicht ein wenig ernster geworden ist und etwas intensiver auf Ungerechtigkeiten reagiert als vorher, aber ansonsten gehe es ihr gut. Sie habe auch nie mit Gott gehadert wegen der Sache.

Was gibt in einer schlimmen Situation Halt?

Was hat ihr geholfen, so derart gut aus dieser schlimmen Situation herauszukommen? Sie selber sagt, dass es ganz wesentlich bestimmte Glaubenserfahrungen waren, die ihr geholfen haben. Immer wieder hat sie mittendrin einen tiefen Zugang zu Gott gehabt.

Sie erzählt beispielsweise von einer Situation als sie sich schwach fühlte: „Schließlich kamen wir zu einem Gefängnis, in dem eine sehr bedrückende Atmosphäre herrschte. Ich litt an diesem Tag unter Amöbenruhr. Nachdem ich um eine Matratze zum Hinlegen gebeten hatte, wurde gleich ein ganzes Bett gebracht und in den Innenhof gestellt. Als ich nun allein in der Sonne lag, schüttete ich Gott mein Herz aus: meine Verzweiflung, meine Angst, die Ungewissheit. Auf einmal kam eine tiefe Ruhe und Geborgenheit über mich. … Und dann hatte ich das Gefühl, als würde Gott zu mir sagen: „Es wird hier besser und einfacher für euch.“ Das hat mich unglaublich getröstet. Die Situation in diesem Gefängnis wurde dann auch wirklich einfacher …“

Tiefer innerer Frieden inmitten einer tödlichen Bedrohung

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Tiefer Friede in einer lebensbedrohlichen Situation ist möglich, sagen manche Christen [Foto: Jens Wätjen]

Tiefer innerer Frieden inmitten einer tödlichen Bedrohung, ein schier unglaubliches Erlebnis! Wie kann man in einer solchen Situation Hoffnung, Ruhe und Geborgenheit erleben? Frau Stebner sagt heute: „Im Allgemeinen kann ich sagen, dass Gott mir in meinen Ängsten über den gesamten Zeitraum hinweg stark begegnet ist. Ich hatte einen tiefen Frieden im Herzen. Gott sprach gleich in den ersten Tagen durch sein Wort und seine Eindrücke zu uns und gab uns den Glauben und die Hoffnung, dass wir heil daraus kommen werden. Er hat uns immer wieder durch sein Wort und auch im Gebet mit seiner Gegenwart und seinem Frieden gestärkt. Das war wirklich eine übernatürliche Erfahrung.“ … „Die längste Zeit, die ich in Angst verbracht habe, war vielleicht eine Stunde. Die Gegenwart Gottes mit uns war sehr kostbar, zumal wir ja zur Außenwelt hin sehr isoliert waren und die Taliban uns immer falsche Informationen gaben.“

Der Glaube als Seelenstabilisator unter schwerster Belastung?

Taugt der Glaube als Seelenstabilisator unter schwerster Belastung? Frau Stebner: „Unbedingt. Er spielte bei mir die Hauptrolle, weil man weiß, dass ein allmächtiger Gott Kontrolle über die Umstände hat wenn Du sie selbst nicht mehr hast. Das Wissen, dass nichts passieren kann, was nicht in Gottes Willen ist. Es ist ganz sicher so, dass man mehr Gnade in so einer Situation hat als im normalen Alltag. Aber es ist auch nicht automatisch. Ich musste mich dennoch, jeden Morgen neu entscheiden, Gott zu vertrauen, um diese Gnade auch zu erfahren. Wenn ich mich von Gott abgewandt oder hätte gehen lassen, wäre diese Zeit sicherlich anders verlaufen. Gott hätte mich dennoch beschützt, aber ich hätte nicht diesen übernatürlichen Frieden und diese Hoffnung gehabt, die mich durch diese Zeit getragen hat.

FAZIT: Viele Christen haben Angst vor schwierigen Zeiten und Bedrohung ihres Glaubens. Lange Jahrzehnte konnten wir in Frieden und Ruhe unseren Glauben praktizieren. Das kann auch in Zukunft so weitergehen, kann sich aber auch mal ändern. Was kommt dann? Was ist, wenn man von radikalen Nicht-Christen bedroht wird? Wo ist Gott in schwierigen und lebensbedrohenden Situationen? lautet die bange Frage.

Es ist gut von einer hingegebenen Christin zu lesen, die all das bereits durchgemacht hat und die den unglaublichen Frieden Gottes kennt, der unsere Herzen zur Ruhe bringt. Es ist schön, zu lesen, dass diese Erfahrung auch in Zeiten zur Verfügung steht, in denen es eng ist und unser Leben bedroht ist.

Lasst uns diese Mut-machende und wahre Geschichte tief in unser Herz hineinlassen. Es gibt keinen Grund dafür, Angst zu haben. Gott ist mit uns!

Ich wünsche Ihnen noch einen gesegneten Tag!
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veröffentlicht im Februar 2015 durch Jens Wätjen

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